Ausstellung und Schuber "von ungesagten dingen"

Der Schuber und die Ausstellung ‚von ungesagten dingen‘ werden im Rahmen des Projektes mentoringKUNST umgesetzt. Das Projekt fördert und unterstützt die öffentliche Präsenz der Arbeit von dreizehn Bildenden Künstlerinnen und Schriftstellerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern mit der Vermittlung von berufsnotwendigem Fachwissen und einer individuellen 1:1 Begleitung und Beratung durch berufserfahrene Künstler*innen und Autor*innen. In der einzigartigen Mischung aus Wissensvermittlung und berufspraktischem Training lernten die neun Künstlerinnen und vier Schriftstellerinnen die verschiedenen Facetten ihres Berufsfeldes wie auch unverzichtbare Instrumente und Methoden kennen, Die Publikation ‚von ungesagten dingen’ bietet einen Überblick in dreizehn Einzelkatalogen über die Genres, Medien und stellt Ideen und Hintergründe vor – eine Präsentationsplattform zum Durchblättern, Lesen und Mitnehmen. Die gleichnamige Ausstellung in der hmt Rostock präsentiert die künstlerischen und literarischen Arbeiten der dreizehn Künstlerinnen und Autorinnen.

 

Ausstellung "von ungesagten dingen"

hmt Rostock

Beim St.-Katharinenstift 8 | 18055 Rostock

Laufzeit: 18. JULI 2021 - 10. OKTOBER 2021

Vernissage: 18. JULI 2021, 16 Uhr

Finissage: 10. OKTOBER 2021, 15 Uhr

Ausstellungsflächen: Kreuzgang hmt Rostock

Veranstalter: Kulturwerk des Künstlerbundes Mecklenburg und Vorpommern e.V. im BBK

Kuratorin: Birgt Effinger

 

Künstlerinnen und Autorinnen

Dorothee Arndt (*1980) kam nach dem Studium aus dem malerischen Raum, der sich bald mit ihrer Lyrik vermischte. So ist ihr aktueller Roman von dieser Bildhaftigkeit geprägt. Sie lotet in dem WG-Roman: »Ist das dein ganzes Gepäck« tiefe, soziale Spannungsfelder von Kindheit, Erwachsenwerden und Alter aus. Die Autorin fand Anerkennung in: »Karussell«, »Risse«, »Ostragehege« und »Lichtungen« und der Nominierung zum Ulrich Grasnick-Lyrikpreis.

Franziska Bielenstein (*1979) ist Illustratorin und Malerin. Sie zeichnet täglich in ihrem Skizzenbuch und entwickelt dabei Themen, die immer wieder neu bearbeitet werden. Ihre Publikation »Mein Jahr Südamerika« umfasst Auszüge eines Reisetagebuches und dokumentiert einige Erlebnisse und Begebenheiten, die der Künstlerin auf ihrer einjährigen Reise durch Südamerika widerfahren sind.

Lena Biesalksi (*1984), untersucht in ihren plastischen Arbeiten

Kollektivierungsabläufe aus soziologischer, sowie naturwissenschaftlicher Perspektive. Beim Zusammenfügen einzelner Teile entstehen Gruppierungen, die an Formationen aus der Natur erinnern oder als Modelle für soziale Strukturen fungieren. Ihre Objekte und Installationen sind Metaphern für Prozesse von Gemeinschaftsentwicklung und erforschen die Mechanismen von Anziehung, Verdrängung, Anpassung und Anordnung.

Astrid Brünner (*1977) lässt durch die intensive Beschäftigung mit Farbwirkung und Farbauftrag Bildwelten entstehen, die die Betrachter in ihren Bann ziehen. Ihre sorgfältig entwickelten Sujets im Bereich der Porträtmalerei wie auch ihre abstrakten Konfigurationen wirken auf besondere Weise, sie irritieren und werfen Fragen auf. Alle Malereien lassen erkennen, wie feinsinnig die Künstlerin das Farbenspiel nutzt, um emotionale, bewegte und visionäre Zustände herauszuarbeiten.

Charleen Dahms (*1995) Fotografien entstehen weniger im Flüchtigen, als vielmehr in der Bewegung und im Bewegen. Mit beinahe zärtlicher Weichheit, welche in der Anmutung der Fotografien auch dem zumeist zugrundeliegenden analogen Material zuzuschreiben ist, erfasst die Künstlerin mit der Kamera ihre Umwelt, ihr Nahes und Nahestehende, ihr Zugewandtes und jenes, welchem sie sich selbst hingibt.

Lilly Eikermann (*1996) zeigt in ihrer Werkserie Minsk eine Stadt unweit der Außengrenzen der Europäischen Union. Bei der umfangreichen Fotoserie Minsk handelt es sich um Momentaufnahmen einer Stadt, zwischen gegenwärtigem Kapitalismus und vergangenem Kommunismus; das autoritäre Regime ist immer unterschwellig präsent. Coca-Cola-Werbungen und rote Sterne prangen gemeinsam über der Stadtmitte. Die fotografischen Beobachtungen von Lilly Eikermann oszillieren zwischen dokumentarischen und subjektiven Eindrücken und vermitteln einen eigenen Blick auf die einstmalige Sonnenstadt des Sozialismus.

Arianne L. Silbers (*1998) definiert in ihrem Young Adult Fantasydebüt Die Birkenbraut und ihr Ungeheuer den Zauber klassischer, tolkinesker Fantasy aus der Perspektive einer starken, weiblichen Heldin. Elegant verwebt sie die abenteuerliche Reise durch einen verwunschenen Irrgarten mit einer finsteren Romanze, die sie in märchenhaft bildhafter Sprache zum Leben erweckt. Eine Einladung zum Träumen in einer Welt, die viel zu wenig Raum dafür lässt.

Claudia Heinicke (* 1979) beschäftigt sich in ihren Malereien und Zeichnungen mit eigenen Landschaftserfahrungen. Strich für Strich bzw. Punkt für Punkt tastet sie sich an das innere Bild heran. Die Farbigkeit ist an das jeweilige Motiv angelehnt, jedoch auf ein bis zwei Farbtöne reduziert. Der Prozess des Farbauftrags wird von der Künstlerin vorher festgelegt und erfolgt in der Arbeit „Der verlorene Blick # 29“ mittels Pinsel und Aquarellfarbe auf das Papier.

Julia Kausch (*1985) sucht das Maß in der Maßlosigkeit. Sie versteht ihre figürliche Bildhauerei als Gegenentwurf zur aktuellen, sterilen Wahrnehmungsvorgängen und dem entkoppelten Umgang mit der eigenen Umwelt. Wir sind maßlos in einer Welt die begrenzt ist. So entwickelt sie mit ihren Bronzearbeiten ein kontemplatives Menschenbild; ruhende und sinnende Figuren mahnen zum Maßhalten und bieten Raum für das eigene Sinnen.

Jana Nedorost (*1981) positioniert sich in ihrer fotografischen Serie „Dokumentation der Wirklichkeit“ zu vorgefundenen Situationen. Diese Ausschnitte zeichnen sich durch eine fehlende Inszenierung aus. Es sind Bilder aus der Realität, die uns umgeben. Über die Fotografie sich malerische und grafische Aspekte unserer Umwelt. Die paarweisen Gruppierungen regen zu Entdeckungsreisen und Verknüpfungen mit eigenen Geschichten an. 

Anne Oldach (geb. 1975) ist Autorin und Bauingenieurin. In ihren Kurzgeschichten und Romanen erzählt sie von inneren Abgründen, vom Erwachsenwerden, der Suche nach der eigenen Identität und von zwischenmenschlichen Beziehungen. Ihr Debütroman „New Worlds. Lüge & Verrat“ richtet sich an jugendliche Leser ab 16 Jahren und erschien im Kampenwand-Verlag. In der mitreißenden Dystopie begleitet der Leser die alterslose Lika auf ihrer Suche nach der Wahrheit und wird mit der Frage konfrontiert, ob es Ziele gibt, die jedes Mittel rechtfertigen. 

Julia Reichel (*1982) beschäftigt sich mit dem Raster und wagt das Spiel mit den Oppositionen Starre und Flexibilität, Ordnung und Chaos, Begrenztheit und Vielfalt. Sie lotet diese Gegensatzpaare durch die Kombination unterschiedlicher Materialien mit großer Experimentierfreude aus und verleiht den Arbeiten eine vibrierende, vielschichtige Oberfläche, die das Fiktive vermeintlich greifbar werden lässt.

Marion Skepenat (*1962) setzt sich in ihrem Schreiben mit unausgesprochenen innerfigürlichen und innergesellschaftlichen Konflikten auseinander. Durch ihren medizinischen Ausbildungsberuf und dem literarischen Instrument des Magischen Realismus bedient sie sowohl wissenschaftliche wie auch unterhaltende Ansprüche. In ihrem zeitgenössischen Debütroman Ammenmärchen erzählt sie durch die verschobene Wahrnehmungsebene ihrer Antiheldin von deren Kampf gegen aufgezwungene Glaubenssätze und deren Widerstand gegen das Fühlen.

 

Bildnachweis

Astrid Brünner, Falk, 2019, Öl auf Holz, 50 x 40cm_Foto: Astrid Brünner_VG BildKunst Bonn 2021

Jana Nedorost, Edeka, 2019, Fotografie, 20 x 30cm, Foto: Jana Nedorost

Lena Biesalski, Kooperative, 2019, Steinzeug, Rauminstallation_Foto: Thomas Häntzschel / nordlicht

Lilly Eikermann, Unbenannt (aus der Serie „Minsk“), 2018, analoge Fotografie, Foto: Lilly Eikermann